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Referenzverdunstung ET₀ ​

Verdunstung wird nicht gemessen. Sie wird je Fläche und Stunde aus vier meteorologischen Messgrößen gerechnet, nach der Penman-Monteith-Gleichung in der Fassung der FAO (Allen et al. 1998, Irrigation and Drainage Paper 56).

Das Ergebnis ist die Referenzverdunstung ET₀: die Verdunstung einer gedachten, gut wasserversorgten, 12 cm hohen Grasfläche mit einer Albedo von 0,23. Sie ist eine Kennzahl der Witterung, kein Maß für die tatsächliche Verdunstung eines Kiefern- oder Buchenbestands. Wer die Bestandesverdunstung braucht, findet sie in den LWF-BROOK90-Simulationen; ET₀ geht als Witterungsantrieb in die klimatische Wasserbilanz ein.

Die Eingangsgrößen ​

GrößeCodeEinheit in der DBVerwendung
LufttemperaturAT°CPflicht
relative FeuchteRH%Pflicht
WindgeschwindigkeitWSm/s in 10 m HöhePflicht
GlobalstrahlungSRW/m²Pflicht, × 0,0036 → MJ m⁻² h⁻¹
LuftdruckAPhPaoptional, sonst aus der Geländehöhe

Fehlt eine der vier Pflichtgrößen, wird für diese Stunde nichts geschrieben.

Welche Sensoren zählen. ET₀ ist für Freiflächenbedingungen definiert. Herangezogen werden deshalb nur Instrumente mit code_location = 'F'; nur Flächen, die für eine Größe nie einen Freiflächensensor hatten, greifen ersatzweise auf das zurück, was da ist. Gibt es mehrere Instrumente, wird gemittelt.

Der Rechenweg ​

Gerechnet wird je Stunde. Die Formelnummern beziehen sich auf FAO-56.

Sonnenstand. Aus dem Tag im Jahr J folgen Deklination (Gl. 24) und der Kehrwert des relativen Erdbahnabstands (Gl. 23):

δ=0,409sin(2πJ365−1,39),dr=1+0,033cos(2πJ365)

Der Stundenwinkel in der Mitte der Stunde folgt Gl. 31 mit der jahreszeitlichen Korrektur Sc (Gl. 33). Lm ist die geographische Länge (östlich positiv), ΔUTC der Zeitzonenversatz der Zeitstempel:

ω=π12[(t+0,5+0,06667(Lm−15ΔUTC)+Sc)−12]

Die Grenzen der Stunde ω1,2=ω∓π/24 werden auf Sonnenauf- und -untergang beschnitten (Gl. 29/30), daraus die extraterrestrische Strahlung (Gl. 28):

Ra=12⋅60πGscdr[(ω2−ω1)sin⁡φsin⁡δ+cos⁡φcos⁡δ(sin⁡ω2−sin⁡ω1)]

Liegt die Stunde ganz außerhalb des Tageslichts, ist Ra=0.

Strahlungsbilanz. Klarhimmelsstrahlung (Gl. 37), kurzwellige Nettostrahlung mit der Grasalbedo 0,23 (Gl. 38) und langwellige Ausstrahlung (Gl. 39, mit der auf die Stunde bezogenen Stefan-Boltzmann-Konstante σ=4,903⋅10−9/24):

Rso=(0,75+2⋅10−5z)RaRns=(1−0,23)RsRnl=σ(T+273,16)4(0,34−0,14ea)(1,35RsRso−0,35)Rn=Rns−Rnl

Nachts ist Rso=0 und das Verhältnis Rs/Rso nicht definiert. FAO-56 schlägt vor, den Wert von kurz vor Sonnenuntergang fortzuschreiben; hier wird ersatzweise mit einer Konstanten von 0,8 gerechnet (Parameter p_night_rs_rso). Das ist die Stelle, an der die Vorgängerfassung nachts den maximalen Ausstrahlungsverlust erzwang und ET₀ auf null klemmte.

Bodenwärmestrom und Widerstandsbeiwert (Gl. 45/46) unterscheiden Tag und Nacht:

G={0,1Rntagsüber0,5RnnachtsCd={0,24tagsüber0,96nachts

Dampfdruck (Gl. 11, 54) und die Steigung der Sättigungskurve (Gl. 13):

es=0,6108exp(17,27TT+237,3),ea=RH100es,Δ=4098es(T+237,3)2

Wind auf 2 m (Gl. 47). Die Anemometer der Freiflächen stehen in 10 m Höhe, die Gleichung ist aber für 2 m definiert — der Faktor beträgt 0,75:

u2=uz4,87ln⁡(67,8z−5,42)

Luftdruck und Psychrometerkonstante (Gl. 7, 8). Gemessener Luftdruck hat Vorrang, sonst wird er aus der Geländehöhe abgeleitet:

P=101,3(293−0,0065z293)5,26,γ=0,000665P

Die Gleichung selbst (Gl. 53), Ergebnis in mm pro Stunde:

ET0=0,408Δ(Rn−G)+γ37T+273u2(es−ea)Δ+γ(1+Cdu2)

Negative Ergebnisse — nachts bei starker Ausstrahlung möglich — werden auf null gesetzt.

Grenzen ​

  • ET₀ ist nicht die Verdunstung des Waldes. Die Bezugsfläche ist Gras, kein Bestand. Für Aussagen über den Wasserhaushalt eines Kiefernbestands ist ET₀ der Antrieb, nicht die Antwort.
  • Die Zeitstempel stimmen nicht. mm_meh trägt laut ICP-Vorgabe UTC mit dem Stundenbeginn als Label; tatsächlich liegen die Stundenlabel um +2,0 h daneben (2017–2023 und 2025–2026) bzw. um +1,0 h (2024) — MEZ plus Endstempel. Die Funktion wird mit ΔUTC=0 aufgerufen und setzt die Sonne damit rund zwei Stunden zu früh an: Rs/Rso fällt morgens zu klein aus und wird nachmittags auf 1 gekappt, die Tag/Nacht-Weiche für G und Cd schaltet zur falschen Stunde, und Abendstunden mit tatsächlicher Einstrahlung bekommen ET₀ = 0. Der Tagesgang ist davon stärker betroffen als die Tagessumme, diese aber nicht unberührt. Bis die Zeitstempel an der Quelle richtig sind, käme ein Aufruf mit ΔUTC=2 (2024: 1) näher an die Wirklichkeit — sauber ist das nicht, weil der Versatz vom Speicherintervall des Loggers abhängt und etwa für Kienhorst (1203) und Weitzgrund keine ganze Stunde beträgt.
  • Die Anemometerhöhe ist fest. 10 m sind für alle acht Windsensoren durch fuk.sensor_map belegt, aber als Parameter gesetzt und nicht je Instrument gelesen. Eine Umsetzung auf eine andere Höhe muss den Aufruf ändern.
  • Keine Lückenfüllung auf Stundenebene. Fehlt eine Pflichtgröße, entfällt die Stunde — und der Tageswert ist dann eine Summe über weniger als 24 Stunden, also zu klein. daily_completeness ist deshalb bei ET₀ mitzulesen; ein Tag mit 80 % Vollständigkeit ist kein Tageswert, dem 20 % fehlen, sondern einer, der um 20 % zu niedrig ist.
  • Die Eingangswerte werden ungeprüft übernommen. Die Prozedur verlangt nur, dass sie nicht leer sind. Ein hängengebliebener Feuchtesensor geht mit in die Rechnung ein.
  • Das Herkunftskennzeichen ist falsch. Die Stundenwerte tragen code_data_origin = 9, was im ICP-Wörterbuch „Fehlwert" bedeutet; richtig wäre 4 („modelled data"). Der Tageswert erbt vom Aggregationsauslöser sogar die 1 — „auf der Fläche gemessen". Vor einer Lieferung an ICP Forests ist das zu berichtigen; im Portal und im Download gilt bis dahin: ET ist immer gerechnet, unabhängig vom Kennzeichen.